SPEZIALISIERTER EINGRIFF

Robotische Ösophagektomie

Die operative Entfernung der Speiseröhre — robotik-assistiert, minimalinvasiv und in einen strukturierten Behandlungspfad eingebettet. Im Folgenden eine fachliche Übersicht zu Indikation, OP-Technik, Plattform, Pathway sowie häufige Fragen aus Patientensicht.

Robotik-assistierter Eingriff am Da-Vinci-System
INDIKATION UND PATIENTENKRITERIEN

Wer profitiert von einer robotischen Ösophagektomie?

Hauptindikation: operables Adenokarzinom oder Plattenepithelkarzinom des Ösophagus.

Erweiterte Indikation: High-Grade-Dysplasie bei langsegmentigem Barrett-Ösophagus mit Überwachungs-Versagen, ausgewählte Achalasie-Fälle.

Voraussetzungen:

  • Multidisziplinäre Tumorboard-Vorstellung
  • Komplettes präoperatives Staging (CT/PET-CT, ÖGD mit Biopsie, Endosonographie, Lungenfunktion)
  • Allgemeinzustand ausreichend (ECOG ≤ 2, FEV1 ≥ 1,5 L)
  • Strukturierte Aufklärung und Informed Consent
OP-TECHNIK

Drei Verfahren — Auswahl je nach Tumor und Patient

Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach Tumorlokalisation, Lymphabflussgebieten und individuellem Risikoprofil.

TRANSTHORAKAL-TRANSABDOMINAL

Ivor-Lewis-Ösophagektomie

Indikation: distale und mittlere Ösophaguskarzinome, Adenokarzinome am gastroösophagealen Übergang (Siewert I/II).

Anastomose: thorakal (rechtsseitig), Magenhochzug, Stapler oder hand-genäht.

Vorteile: niedrigere Anastomosen-Insuffizienz-Rate als zervikale Anastomose, gute Lymphadenektomie.

Nachteile: thorakaler Eingriff erforderlich, Doppellumen-Tubus.

3-HÖHLEN-EINGRIFF

McKeown-Ösophagektomie

Indikation: proximale und mittlere Ösophaguskarzinome, ausgedehnte Lymphadenektomie zervikal-mediastinal-abdominal.

Anastomose: zervikal links, Magenhochzug bis Halsregion.

Vorteile: weiträumige Lymphadenektomie, sichere Resektionsgrenze bei hochsitzenden Tumoren.

Nachteile: höhere Insuffizienz-Rate zervikal, längere Magen-Hochzug-Strecke.

TRANSHIATAL · SP-RACE

Transhiatale Ösophagektomie

Indikation: distale Tumoren bei eingeschränkter Lungenfunktion, Patienten mit Voreingriffen am Thorax.

Anastomose: zervikal, transhiataler Zugang ohne Thorakotomie.

Vorteile: keine thorakale Operation nötig, geringere pulmonale Komplikationsrate.

Robotik-Variante: SP-RACE (Single-Port Robot-Assisted Cervical Esophagectomy) mit Da Vinci SP — Mainz, Prof. Grimminger.

PLATTFORMKOMPETENZ

Da Vinci Xi und Da Vinci SP

Beide Plattformen werden gezielt eingesetzt — Xi für transthorakal-transabdominale Eingriffe, SP für den transzervikalen Zugang ohne Thorakotomie.

Da Vinci Xi

Anwendung: Standard-Plattform für Ivor-Lewis und McKeown — transthorakal-transabdominal.

Eigenschaften: 4-Arm-System, 3D-HD-Optik, hohe Bewegungsfreiheit, Stapler-Integration.

Erfahrung: Console-Surgeon-Zertifizierung 2024 (RAIN Robotic Academy, Neapel).

Da Vinci SP (Single-Port)

Anwendung: SP-RACE — transzervikale Ösophagektomie über Single-Port-Zugang.

Spezifik: Kein Eintritt in Thorax — einseitige Lungenventilation entfällt. Geeignet auch für Patienten mit reduzierter Lungenfunktion.

Mainz-Erfahrung: ESDE-Fellowship 2024/2025 bei Prof. Grimminger, parallele Zwei-Team-Operationen zur Verkürzung der Anästhesie-Dauer.

PERIOPERATIVER BEHANDLUNGSPFAD

ERAS, prophylaktische eVAC, Tumorboard, Nachsorge

  • Präoperativ: Tumorboard-Vorstellung, Staging-Konferenz, Ernährungsoptimierung, Atemtherapie, ggf. neoadjuvante Chemo-/Radiochemotherapie.
  • Intraoperativ: ERAS-konforme Anästhesie, intraoperative Endoskopie zur Anastomosen-Kontrolle, prophylaktische endoluminale Vakuumtherapie (eVAC) bei Hochrisiko-Anastomose.
  • Postoperativ: ERAS-Pfad, frühzeitige Mobilisation, schluckweiser Kostaufbau, Anastomosen-Kontrolle ÖGD nach 5–7 Tagen.
  • Nachsorge: Verlaufskontrolle nach 6 Wochen, Tumorboard-Follow-up, regelmässige Bildgebung gemäss Tumor-Stadium, enge Kooperation mit Hausarzt und Onkologie.

eVAC-Methodik publiziert in Adamenko et al., Langenbeck's Archives of Surgery 2024;409:220.

HÄUFIGE FRAGEN

Aus Patientensicht — häufig gestellte Fragen

Die folgenden Antworten geben Orientierung. Individuelle Werte können abweichen — bei Fragen jederzeit gerne in der Sprechstunde besprechen.

Je nach Technik und individueller Situation 4–7 Stunden. Die Anästhesie-Vor- und -Nachbereitung kommt jeweils dazu.

In der Regel 7–14 Tage, abhängig vom postoperativen Verlauf und der Anastomosen-Heilung.

Wir verfolgen ein modernes Schmerzkonzept mit Periduralanästhesie und multimodaler Schmerztherapie. Die Schmerzkontrolle ist bei der Mehrheit der Patientinnen und Patienten gut.

Nach Anastomosen-Kontrolle ÖGD an Tag 5–7 beginnt der schluckweise Kostaufbau — zunächst flüssig, dann breiig, schliesslich feste Kost. Eine Ernährungsberatung begleitet die Phase.

Je nach Beruf und individuellem Verlauf 6–12 Wochen. Bei körperlich belastenden Berufen ist eine längere Arbeitsunfähigkeit üblich.

Wesentliche Risiken sind Anastomosen-Insuffizienz, pulmonale Komplikationen, Blutung, in seltenen Fällen Konversion zu offener Operation. Diese werden in der Aufklärung individuell besprochen.

Endoluminale Vakuumtherapie — ein kleiner Schwamm-Katheter wird intraoperativ eingelegt, um die Naht in den ersten Tagen zu stabilisieren. Studien zeigen, dass dies die Komplikationsrate bei Hochrisiko-Anastomosen reduzieren kann.

Strukturierte Nachsorge im Tumorboard-Pfad mit klinischer Untersuchung, Bildgebung (CT, ggf. PET-CT) und Endoskopie nach festem Schema. Hausarzt und Onkologie sind eng eingebunden.

TUMORBOARD UND NETZWERK

Eingebettet in ein interdisziplinäres Netzwerk

Jede Indikation zur Ösophagektomie wird im interdisziplinären Tumorboard besprochen. Die Praxis ist eng vernetzt mit GITZ, Klinik Hirslanden, Klinik im Park, Swiss Surgery und international mit der Universitätsmedizin Mainz und der ESDE.

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Letzte fachliche Überprüfung: 3. Januar 2026